Ein Leserbrief zum Fall EHEC - Ein Kommentar

Überraschend habe ich einen Leserbrief zum EHEC-Artikel erhalten, deren Inhalt ich zum Anlass genommen haben einen kleinen persönlichen Kommentar darüber zu verfassen und diesen zusätzlich zum Artikel zu veröffentlichen.

Ein Leserbrief

"Sehr geehrter Stan Oliver Schoch,

vielen dank für den informativen artikel über ehec. Ich selbst bin schon sehr lange sehr verärgert über die unzureichende berichterstattung der medien und der  politik. Vielleicht könnte man organisiert mit anderen kritischen geistern der bevölkerung die augen öffnen.

proteste oder infoblätter organisieren, verbraucher- oder umweltorganiesationen für uns gewinnen?!!

XXXXX"

Ein Kommentar

Sehr geehrte Herr XXXXX,

ich bedanke mich für Ihren Kommentar zum EHEC Artikel und kann mich Ihren Argumenten nur anschließen.

Welche Informationen gelangen wann und vor allem in welchem Kontext an die breite Masse unserer Bevölkerung? Warum wird nachweislich nur einseitig berichtet? Warum stellt unsere vierte Gewalt keine kritische Fragen? Wo ist der Journalismus der uns zu mündigen Beteiligten in einem Fall wie EHEC macht? Warum werden uns Informationen scheinbar vorenthalten die uns befähigen würden richtige Entscheidungen zu fällen oder unser Recht auf demokratische Einmischung zu gewähren?

Das uns die regierende Politik nur noch in der Größenordnung informiert wie die mittlerweile übermächtigen Lobbyvertretungen das für angemessen empfinden ist schon erschreckend genug und zudem bereits in allen Bevölkerungsschichten angekommen. Diese sollte jedoch im Normalfall von unserer Presselandschaft ausgeglichen werden.

Leider scheinen auch die regulären Modelle unsere Presse-Institutionen mit den nach Profit ausgerichteten Verlagshäusern nicht nur anfällig auf Lobby-Einflüsse zu sein, sondern reduzieren sie sich damit in Eigenregie immer weiter hin zu einer Produktionsstätte von gedruckten Presseagenturmeldungen, nur noch zu unterscheiden im Namen des entsprechenden Publikationsblattes, der Zeitung oder des Magazins.

Dieser Zustand hat auch mich bewegt meine Recherche-Ergebnisse in einem ersten Artikel zu verfassen, ihn im Netz zu publizieren und damit beizutragen kritische Fragen zu stellen und einige Antworten zu geben.

Sich mit anderen kritischen Geistern zu verbinden ist ein wichtiger Schritt, auch meiner Meinung nach, um den Journalismus, wie er in seinem eigentlichen Sinne besteht, wieder aus der "Versenkung" an das breite Licht einer funktionierenden Presselandschaft zu heben. Denn er ist nicht tot, man verbietet ihm nur, durch die oben genannten Gegebenheiten, sich in gedruckter Form einer Tagespresse zu verbreiten. Und damit auch Menschen ohne einen Internetanschluss die Möglichkeit zu geben, anhand investigativer Hintergrundinformationen und "parteiübergreifender" Berichterstattung, sich eine eigene Meinung bilden zu können.

Ich denke das dieses auch für die Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie Greenpeace, Attac etc. gilt. Auch sie kämpfen darum gehört zu werden. Auch ihre Stärken wächst mit einer informierten und kritischen Bevölkerung - die Stärke einer neuen Art von Lobby, einer Interessenvertretung die nicht mehr nur "durch" sondern direkt von der Bevölkerungsschicht vertreten wird. Jede aus-gesprochenen oder geschriebene Meinung ist eine Stimme in der direkte Mitbestimmung. Quasi mitbe-stimme-n.

Einen weiteren wichtigen Punkt sehen ich noch in den angeschlossenen Experten und ihren Instituten, die für die 'Fakten' verantwortlich sind. Ohne jetzt eine Unterstellung auszusprechen, sehe ich die Nutzung von ausschließlich einer öffentlichen Quelle als sehr kritisch, vor allem um deren Unabhängigkeit abzusichern. Andererseits haben NGOs ebenfalls die Möglichkeit auf Experten und Institute zurückzugreifen, deren Unabhängigkeit sich in mehreren vergangenen Projekten bereits bewiesen hat. Somit sorgt auch hier die Stärkung einer NGO für eine Förderung von Wissen als Grundlage einzelner Entscheidungen.

Nichts desto trotz sehe ich eine öffentliche Kundgebung der Meinung jedes einzelnen Bürgers als besonders grundlegend an. Mit der Möglichkeit des politischen und demokratischen Protest anhand Demonstrationen und Petitionen wird nicht nur die Einflussnahme der NGO auf politische Entscheidungen gestärkt, sondern zwingt auch die Massenmedien in ihrer eigenen Publikations-Konkurrenz-Regel, Nachrichten zu senden auch wenn sie nicht in die Linie der Lobby-Vertretung passen. Das dieses natürlich nicht bei einem 5-Personen-Protest passiert steht außen vor.

Der Anfang ist jedoch bereits getan wenn zwei Menschen darüber kritisch diskutieren. Z.B. als Antwort auf einen Kommentar.

 

Mit freundlichen Grüßen

Stan-Oliver Schoch

 

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