Essay: Das Privatfernsehen - 26 Jahre nach Tutti Frutti
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- Veröffentlicht am Dienstag, 09. August 2011 08:58
- Geschrieben von Stan-Oliver Schoch
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In Zeiten in denen die Medienlandschaft in ihren privaten Fernsehsendern, ihre Kanäle zur gezielten, systematischen Volksverdummung gefunden hat, kann man wenig erwarten in den Selbigen noch etwas Nachhaltiges zu finden. Nachhaltig höchstens in steigenden Absatzzahlen von Klingelton und Schokoriegel. Verübeln kann man den genialen Schachzug der Absatzbranche ja wohl kaum, hat sie doch ihre eigenen Zuschauer in den letzten Jahren dazu gebracht, sich den nicht vorhandenen Inhalt noch durch Werbeblöcke im Minuten-Takt bis zur Unkenntlichkeit zerstückeln zu lassen.
Und so wird fleissig mitgefiebert in Talkshows und Richtersendungen, in endlos rotierenden Fernsehserien folgt man Hannas Herzen oder irgendwelchen roten Rosen. Da werden Grundinstinkte auf Niveau eines Glotzerstaus angesprochen wenn Dokusoaps mit den Parametern “Gefahr, Sex und Nahrung” jedes gewünschte Zielpublikum barrierefrei direkt von der Grundschule abholt. Nachrichten werden als News umbenannt weil sie mit den Vorbenannten leider nichts mehr zu tun haben. Pseudo Wissen-Shows der Marke: “Wer wird Millionär” suggerieren das Gefühl von Wissensvermittlung, während sie im zusammenhanglosen Abfragemodus eines Kreuzworträtsel eskalieren.
Reportagen entgleisen zu PR- und Werbefilmchen von Grosskonzernen und Interessenverbänden. Werbeplätze erreichen jeden Sendeplatz zwischen den Werbeblöcken – ob Politik oder klassisches Product-Placement, für jedes Verkaufsprodukt gibt es eine geeignete Sendung. Und während die unterforderten Gehirnzellen schon mal das Licht ausknipsen und der Proband langsam zu fühlen beginnt warum er Zuschauer und nicht Mitdenker heisst, versuchen sich die Werbungen in Lautstärke und Effekthascherei gegenseitig noch zu übertrumpfen. Und so landen auch sie noch in der Time-Line der grossen Privaten – die Models und Popstars der Medienagenturen, als Dauerwerbesendung bis zur ersten CD oder der neuen Modekollektion.
Damals im Kampf um Marktanteile und ersten Einschaltquoten wurden sie noch belächelt, die Sendungen wie “Tutti Frutti” und Co. Und heute, 26 Jahre später, kriechen Alt-”Stars” in einer PR-Reanimations-Kampagne durch den Dschungel-Schlamm und lassen sich, wie in Zeiten von Gaius Iulius Caesar, vom Pöbel mit gedrehtem Daumen in der Arena nach Gladiatorenmanier zum Todesstoss ihrer eigenen Hemmung hinreissen. Was sich auch das Dauerformat “Big Brother” zum Grundsatz gemacht hat. Wobei hier noch die Provokationsschraube um mehrere Drehungen angezogen wurde und Themen wie Überwachung mit Container und Kameras bewiesen haben das nach fest nicht ab kommt.
Was hat sich also seit dem Start des Privatfernsehens am 1. Januar 1984 geändert?
Die Technik. Man ist jetzt “HD ready” und kann endlich den Inhalt in der digitalen Auflösung suchen. Und der Unterschied zu einem Shopping-Kanal ist wohl der, das man dort mit der Ehrlichkeit konfrontiert wird sich auf einem Dauerwerbesender zu befinden.
Zum Abschluss möchte ich das Wort noch an Georg Schramm übergeben.

