Piratenpartei - Eine harte Nuss für Lobbyorganisationen

FSA 2009 - Oranges TeilnehmerfeldDie einst als Nussschale belächelte Piratenpartei schlägt im Fahrwasser der Politik bereits beeindruckende Wellen die auf dem Sonnendeck der "etablierten" Parteien, die erste Wassertropfen hinterlassen haben. Und während die Analysten, Berater und Politikwissenschaftler die Piratenpartei zu kategorisieren versuchen und stetig neue Prognosen publizieren, laufen im Lobby-Hinterzimmer die ersten Schlechtwetterberichte über den Strategie-Ticker. - Was ist passiert?

Nach dem Einlaufen in den Berliner Hafen unter voller Fahrt mit unglaublichen 8,9%, bringt die Heckwelle die ersten Oppositionsboote am Anleger in ein heftiges Schaukeln, während im Funkraum zeitgleich die bekannten 0-8-15-Morsecode-Ablenkkörper in die Medienlandschaft geschossen werden. "Protestwähler" sollen sie alle sein, auch der Nichtwähler wählt jetzt plötzlich aus Protest diese Partei. Ein Denkzettel, eine Botschaft, ein einmaliges Ereignis - die Kreativität kennt bei Nebelkerzen keine Grenzen.

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Essay: Kommerzielles Radio - gleich nach der Werbung

Nach all den, durch die Star-Makers, hoch-gepushten und herunter-gestolperten, Pop-Püppchen und Hochglanz-Rock-Girlies, die den ohnehin schon engen Oldie-Reigen im hiesigen Werbe-Radio durch ihre bezahlten Promo-Marketing-Sendeplätze das letzte Interesse an Musik, im Sinne des Erfinders, im Keim ersticken lassen, geht seit Jahren schon nichts mehr in den privaten Radiostationen – wie auch, sieht man sich das Vorbild Privatfernsehen an.

Im Auto ertappe ich mich fast schon täglich wie ich mit meiner rechten Hand, in schier unendlicher Hoffnung nach einem Fünkchen guter Musik, den Senderwechsel der “be-Knopf-ten” 6 in Bruchteilen von Sekunden, klavierspielartig durchführe. Werbung, Nachrichten, Werbung, Staumeldung, Werbung… während der Moderator versucht mit seinem “coolen” Gequarke seine eigene Anmoderation interessanter zu gestalten als die Werbekette vor ihm, bin ich froh das wenigstens seine Morgengespielin das Studio bereits verlassen durfte um neue Drogen für die nächste Crazy-Morning-Show-Trip zu organisieren. Als er aber versucht witzig zu sein säge ich ihn von meinem Sendeplatz und wechsle zum 4. Knopf.

Musik, ich habe Musik gefunden. Kindlich erfreut staune ich den ersten Tönen entgegen. Das ich das nochmal vor dem Aussteigen erleben darf. Doch als die ersten Tonfragmente in meinem Gehirn die Melodie fröhlich vor sich hinbauen, ist sie auch schon da, die messerscharfe Enttäuschung. Das Haltbarkeitsdatum dieses Songs scheint schon vor Jahren abgelaufen zu sein. Sicher war es auch mal ein Hit, oder eher ein Gassenhauer bis das fünfzigste Cover einer Overnight-Popgruppen-Kreation auch diesen Klassiker in einer Leierkasten-Rolle beerdigte. Als ich die Worte “erinnert euch wo ihr es als erstes gehört habt” vernehme, beginne ich mit meinem Kopf im Takt gegen das Lenkrad zu schlagen. Etwas eingenebelt finde ich Kopf 5.

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Essay: Das Privatfernsehen - 26 Jahre nach Tutti Frutti

In Zeiten in denen die Medienlandschaft in ihren privaten Fernsehsendern, ihre Kanäle zur gezielten, systematischen Volksverdummung gefunden hat, kann man wenig erwarten in den Selbigen noch etwas Nachhaltiges zu finden. Nachhaltig höchstens in steigenden Absatzzahlen von Klingelton und Schokoriegel. Verübeln kann man den genialen Schachzug der Absatzbranche ja wohl kaum, hat sie doch ihre eigenen Zuschauer in den letzten Jahren dazu gebracht, sich den nicht vorhandenen Inhalt noch durch Werbeblöcke im Minuten-Takt bis zur Unkenntlichkeit zerstückeln zu lassen.

Und so wird fleissig mitgefiebert in Talkshows und Richtersendungen, in endlos rotierenden Fernsehserien folgt man Hannas Herzen oder irgendwelchen roten Rosen. Da werden Grundinstinkte auf Niveau eines Glotzerstaus angesprochen wenn Dokusoaps mit den Parametern “Gefahr, Sex und Nahrung” jedes gewünschte Zielpublikum barrierefrei direkt von der Grundschule abholt. Nachrichten werden als News umbenannt weil sie mit den Vorbenannten leider nichts mehr zu tun haben. Pseudo Wissen-Shows der Marke: “Wer wird Millionär” suggerieren das Gefühl von Wissensvermittlung, während sie im zusammenhanglosen Abfragemodus eines Kreuzworträtsel eskalieren.

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Waffenhandel - Waffenexporte aus Deutschland von 1950 bis 2010

In Zeiten, in denen im Bundestag wieder um geplante Waffenlieferungen, in Länder mit kritischer Menschenrechtslage angeregte Diskussionen geführt werden, sollte man doch denken, daß zumindestens von Seiten der Opposition oder der "neutralen" Medien ein ausgiebiger Blick in die Vergangenheit der Branche gewagt wird. Doch weit gefehlt. Kein Kommentar, keine Daten, keine Berichte rund um das blühende Geschäft mit Waffen und Munition 'Made in Germany'.

Einmal rund um die Welt, der Globalisierung sei Dank. Die Exportnation Deutschland ist bereits drittgrößter Waffenlieferant, direkt hinter den USA (30 Prozent) und Russland (23 Prozent). Ja wir! Weltweit! Und gegen den immer wieder vermittelten Eindruck benötigt auch die deutsche Rüstungsindustrie entsprechenden Absatz und Marktanteile, um diese Position zu erreichen. In den aktuellen Debatten um deutsche Panzer für Saudi-Arabien oder Patrouillenboote für Angola scheint es so, als ob dieser Erfolg erst seit einigen Tage besteht, quasi über Nacht eine ganze Industrie aus dem Boden gestampft wurde, zeitgleich veröffentlicht durch Union, FDP und der Kanzlerin persönlich.

 

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